Heizungsalter richtig bewerten: So erkennen Sie den optimalen Zeitpunkt für einen Austausch

Heizungsalter richtig bewerten: So erkennen Sie den optimalen Zeitpunkt für einen Austausch

Das Heizungsalter richtig bewerten gehört zu den wichtigsten Aufgaben für Eigentümerinnen und Eigentümer in Deutschland und Österreich – denn es geht nicht nur um Komfort, sondern auch um Kosten, Fördermöglichkeiten und Klimaschutz. Viele Heizungen laufen „irgendwie noch“, sind aber längst ineffizient, reparaturanfällig oder nicht mehr zukunftsfähig. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie das Alter Ihrer Heizung sinnvoll einordnen, welche technischen und wirtschaftlichen Signale für einen Austausch sprechen und wie Sie den optimalen Zeitpunkt strategisch planen – inklusive praktischer Checklisten und regionaler Hinweise.

Warum das Heizungsalter heute wichtiger ist als früher

Vor einigen Jahren war die Frage „Wie alt ist meine Heizung?“ oft eine reine Komfort- oder Kostendebatte. Heute ist sie deutlich komplexer: Energiepreise schwanken, Anforderungen an den Klimaschutz steigen, und in Deutschland sowie Österreich verändern sich Rahmenbedingungen durch Gesetze, Förderprogramme und technische Standards. Wer das Heizungsalter richtig bewerten möchte, sollte daher nicht nur auf die Jahreszahl auf dem Typenschild schauen, sondern die gesamte Situation betrachten.

Eine Heizung kann zwar 25 oder sogar 30 Jahre laufen – das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie wirtschaftlich oder sicher betrieben wird. Oft sind es versteckte Faktoren, die den entscheidenden Unterschied machen:

  • Wirkungsgrad und Effizienz im Vergleich zu modernen Systemen
  • Reparaturhäufigkeit und Ersatzteilverfügbarkeit
  • Regelungstechnik (z. B. witterungsgeführt, smarte Steuerung)
  • Passung zum Gebäude (Dämmstandard, Heizflächen, Warmwasserbedarf)
  • Zukunftsfähigkeit im Hinblick auf erneuerbare Energien

In Deutschland ist zusätzlich die rechtliche Entwicklung wichtig: Je nach Heizungsart und Situation können Austauschpflichten oder Modernisierungsanforderungen relevant werden. In Österreich spielen wiederum landesspezifische Förderungen und der Umstieg von Öl- und Gasheizungen eine zentrale Rolle. In beiden Ländern gilt: Wer frühzeitig plant, kann Kosten senken und bessere Entscheidungen treffen.

Heizungsalter richtig bewerten: Alter allein ist nicht gleich Austauschgrund

Das Kalenderalter ist ein guter Startpunkt – aber keine vollständige Diagnose. Um das Heizungsalter richtig bewerten zu können, sollte man drei Ebenen unterscheiden:

  • Technisches Alter: Zustand von Kessel, Brenner, Wärmetauscher, Pumpen, Regelung
  • Energetisches Alter: Effizienz im Vergleich zum Stand der Technik (z. B. Brennwert vs. Niedertemperatur vs. Standardkessel)
  • Wirtschaftliches Alter: Ab wann Reparaturen und Verbrauch teurer werden als ein geplantes Upgrade

Typische Lebensdauer nach Heizungsart (Orientierung)

Die Lebensdauer hängt von Wartung, Betriebsweise, Wasserqualität und Komponenten ab. Als grobe Orientierung gelten häufig:

  • Gas- oder Öl-Brennwertkessel: ca. 15–20 Jahre
  • Niedertemperaturkessel: ca. 15–25 Jahre
  • Standardkessel (ältere Bauarten): oft ineffizient, Austausch häufig deutlich früher sinnvoll
  • Wärmepumpen: ca. 15–25 Jahre (Kompressor oft 15–20 Jahre)
  • Pelletkessel: ca. 15–25 Jahre (mechanische Teile, Fördersysteme beachten)
  • Solarthermie-Komponenten: Kollektoren oft 20–30 Jahre, Pumpen/Regelung kürzer

Wichtig: Selbst wenn Ihre Anlage „noch läuft“, kann sie energetisch längst überholt sein. Gerade alte Standardkessel verlieren über Abgas- und Bereitschaftsverluste viel Energie.

Die 10 wichtigsten Anzeichen, dass ein Heizungstausch sinnvoll wird

Der optimale Zeitpunkt ist meist dann erreicht, wenn mehrere Signale zusammenkommen. Einzelne Symptome können auch andere Ursachen haben – aber als Gesamtschau sind sie sehr aussagekräftig.

1) Stark steigender Energieverbrauch trotz gleicher Nutzung

Wenn der Gas- oder Ölverbrauch über Jahre steigt, obwohl Wohnfläche, Bewohnerzahl und Komfortansprüche gleich bleiben, deutet das auf Effizienzverluste hin. Ursachen sind z. B. Verschleiß, falsche Einstellungen, defekte Sensorik oder ein grundsätzlich ineffizientes System.

2) Häufige Reparaturen und „Kleinreparaturen“ im Jahrestakt

Eine Reparatur kann normal sein – aber wenn jedes Jahr etwas anderes ausfällt (Zündung, Pumpe, Ventile, Regelung), ist das ein Warnsignal. Typisch ist auch, dass alte Anlagen zunehmend Folgeschäden verursachen.

3) Ersatzteile sind schwer verfügbar oder teuer

Viele Hersteller stellen nach einer gewissen Zeit Bauteile um oder nehmen Serien aus dem Programm. Wenn der Fachbetrieb bereits sagt, dass Ersatzteile nur noch gebraucht oder mit langen Lieferzeiten erhältlich sind, ist das ein klares Indiz: Das wirtschaftliche Ende ist erreicht.

4) Die Regelung ist veraltet (keine witterungsgeführte Steuerung, keine saubere Nachtabsenkung)

Moderne Heizsysteme sparen nicht nur durch bessere Kesseltechnik, sondern auch durch intelligente Regelung. Alte Regelungen führen häufig zu zu hohen Vorlauftemperaturen, unnötigem Takten und schlechter Abstimmung mit Warmwasserbereitung.

5) Der Schornsteinfeger / Rauchfangkehrer beanstandet wiederholt Werte

In Deutschland sind Abgasverluste und Effizienzwerte ein Thema bei der wiederkehrenden Überprüfung. In Österreich spielt die Feuerbeschau bzw. die Kontrolle durch den Rauchfangkehrer eine ähnliche Rolle. Wiederholte Grenzwertnähe oder Auffälligkeiten können ein starkes Signal sein.

6) Unzuverlässige Warmwasserbereitung oder lange Aufheizzeiten

Wenn Warmwasser schwankt oder die Heizung „zäh“ reagiert, kann das auf Verschleiß, Verkalkung, schlecht arbeitende Pumpen oder einen zu klein dimensionierten (oder gealterten) Speicher hindeuten.

7) Lauter Betrieb, ungewöhnliche Geräusche, häufiges Takten

Brummen, Klopfen, Pfeifen oder häufiges Ein- und Ausschalten sind nicht nur nervig – sie sind oft Zeichen für ineffizienten Betrieb und Verschleiß.

8) Hohe Vorlauftemperaturen sind nötig, um es warm zu bekommen

Müssen Sie die Heizung „hochdrehen“, um Komfort zu erreichen, liegt das nicht immer an der Heizung allein. Aber es ist ein Hinweis, dass das Gesamtsystem (Heizflächen, Hydraulik, Dämmstandard, Regelung) nicht optimal arbeitet. Für Wärmepumpen sind niedrige Vorlauftemperaturen besonders wichtig.

9) Das Gebäude wurde saniert, die Heizung aber nicht angepasst

Neue Fenster, bessere Dämmung oder ein Dachausbau verändern die Heizlast. Eine alte Heizung kann dann überdimensioniert sein, häufig takten und dadurch ineffizient laufen. Ein Neudesign der Anlage (Hydraulik, Heizkurve, ggf. kleinere Leistung) kann viel bringen – oft ist der Austausch gleich mit sinnvoll.

10) Strategische Gründe: Förderung, Gesetzesänderungen, Energiepreisrisiko

Manchmal ist der beste Zeitpunkt nicht „wenn sie kaputt ist“, sondern wenn Rahmenbedingungen günstig sind: Förderfenster, attraktive Kreditkonditionen oder ohnehin geplante Umbauten (Badsanierung, Fußbodenheizung, Dämmmaßnahmen).

Wie Sie das Alter Ihrer Heizung zuverlässig bestimmen

Bevor Sie das Heizungsalter richtig bewerten, brauchen Sie eine belastbare Datengrundlage. Gerade in Bestandsgebäuden ist das Baujahr nicht immer klar – zum Beispiel nach Eigentümerwechsel oder Teilmodernisierung.

Typenschild und Dokumente

  • Typenschild am Kessel/Brenner: Enthält häufig Baujahr oder Seriennummer
  • Inbetriebnahmeprotokoll des Installateurs
  • Wartungsheft oder Serviceberichte
  • Rechnungen über Austausch von Brenner/Kessel/Regelung

Teilmodernisierung beachten

Manchmal ist nicht die gesamte Anlage alt, sondern nur einzelne Komponenten. Beispiele:

  • Der Brenner wurde erneuert, der Kessel ist aber alt
  • Die Umwälzpumpe ist neu, die Regelung jedoch aus den 90ern
  • Ein Warmwasserspeicher wurde getauscht, die Wärmeerzeugung nicht

Für eine sinnvolle Entscheidung zählt der schwächste und teuerste Teil im System – oft ist das der Kessel bzw. Wärmeerzeuger.

Technik-Check: Welche Heizkessel-Typen besonders kritisch sind

Um das Heizungsalter richtig bewerten zu können, ist die Kesseltechnologie entscheidend. Nicht jedes 18 Jahre alte Gerät ist automatisch schlecht – aber manche Bauarten sind schon bei jüngeren Jahren nicht mehr zeitgemäß.

Standardkessel (Konstanttemperaturkessel)

Diese älteren Kessel halten die Kesseltemperatur oft konstant hoch. Das verursacht hohe Bereitschafts- und Abgasverluste. In vielen Fällen ist ein Austausch hier besonders wirtschaftlich – häufig auch unabhängig von der reinen Lebensdauer.

Niedertemperaturkessel

Niedertemperaturtechnik war ein großer Fortschritt, ist aber heute je nach Gebäude und System im Vergleich zur Brennwerttechnik häufig unterlegen. Ob ein Austausch sinnvoll ist, hängt stark von Verbrauch, Zustand und geplanter Zukunftstechnologie (z. B. Wärmepumpe) ab.

Brennwerttechnik (Gas/Öl)

Gas- und Öl-Brennwertgeräte sind effizienter, weil sie Kondensationswärme nutzen. Trotzdem gilt: Auch Brennwertgeräte altern – und gerade bei älteren Brennwertgenerationen können Regelung, Pumpen oder Wärmetauscher problematisch werden.

Wirtschaftlichkeit: Wann sich ein Austausch rechnet (ohne Schönrechnen)

Viele Eigentümer möchten eine klare Zahl: „Ab wann lohnt sich das?“ Eine seriöse Antwort braucht eine einfache Rechnung – und realistische Annahmen.

Die Grundidee: Gesamtkosten statt nur Anschaffungspreis

Betrachten Sie diese Kostenblöcke über mehrere Jahre:

  • Energiekosten (kWh-Verbrauch × Preis)
  • Wartung (jährlich)
  • Reparaturen (unregelmäßig, aber im Alter zunehmend)
  • Schornsteinfeger/Rauchfangkehrer und Messungen
  • Kapital- und Investitionskosten (Anschaffung, Installation, ggf. Finanzierung)
  • Förderungen und Steuerboni (landesspezifisch)

Faustregeln, die in der Praxis helfen

  • Wenn Ihre Heizung älter als 20 Jahre ist und kein Brennwert nutzt, ist das Einsparpotenzial oft hoch.
  • Wenn die Reparaturen über 2–3 Jahre wiederholt ins Geld gehen, kann ein geplanter Austausch günstiger sein als „weiterflicken“.
  • Wenn eine größere Komponente ausfällt (Wärmetauscher, Regelung), lohnt sich häufig eine Investitionsentscheidung statt einer Notfallreparatur.

Beispielhafte Denkweise (ohne fixe Zahlen)

Angenommen, ein neues System spart 15–30 % Energie (realistisch je nach Ausgangslage) und senkt Reparaturkosten. Dann entsteht ein jährlicher Vorteil, dem Sie die Investition gegenüberstellen. Wichtig: Nicht nur die „Amortisation“ zählt, sondern auch Risiko (Ausfall im Winter), Komfort und Wertsteigerung der Immobilie.

Rechtliche und politische Rahmenbedingungen: Deutschland vs. Österreich

Wer das Heizungsalter richtig bewerten will, sollte die Rahmenbedingungen im eigenen Land berücksichtigen. Die Details ändern sich – deshalb gilt: Prüfen Sie aktuelle Programme und Vorgaben zum Zeitpunkt Ihrer Planung. Dennoch lassen sich typische Linien erklären.

Deutschland: Fokus auf Effizienz, Erneuerbare und Austausch alter Kessel

In Deutschland sind u. a. folgende Punkte relevant:

  • Austauschpflichten können für sehr alte Konstanttemperaturkessel gelten (typischerweise ab einem bestimmten Alter und unter bestimmten Bedingungen).
  • Kommunale Wärmeplanung und lokale Infrastrukturen (z. B. Wärmenetze) können die beste Lösung beeinflussen.
  • Förderlogik (z. B. Zuschüsse/Kredite) orientiert sich häufig an Effizienz und erneuerbaren Anteilen.

Gerade in Deutschland ist es sinnvoll, eine Modernisierung nicht isoliert zu betrachten: Manchmal ist der Schritt zur Wärmepumpe oder zur Hybridlösung strategisch klüger, als „noch einmal“ in ein reines fossiles System zu investieren.

Österreich: Starker Fokus auf den Ausstieg aus Öl und (regional) Gas

In Österreich werden Umstiege auf erneuerbare Heizsysteme in vielen Fällen aktiv gefördert. Typische Aspekte:

  • Viele Programme setzen Schwerpunkte beim Raus aus Öl bzw. dem Austausch alter fossiler Heizungen.
  • Förderungen können bundes- und landesspezifisch sein.
  • Regionale Bedingungen (z. B. ländliche Gebiete, Holzverfügbarkeit) beeinflussen die Systemwahl stärker.

Für Eigentümer in Österreich lohnt es sich besonders, vor der Entscheidung die Kombinierbarkeit von Förderungen und die Anforderungen (z. B. Energieberatung, Mindeststandards) zu prüfen.

Der optimale Austauschzeitpunkt: Planung statt Notfall

Ein Heizungstausch im Notfall ist fast immer teurer und führt öfter zu suboptimalen Entscheidungen. Wer rechtzeitig plant, kann Angebote vergleichen, Förderungen beantragen und das passende System auswählen. Der beste Zeitpunkt ist häufig dann, wenn:

  • die Anlage zwar noch läuft, aber deutlich ineffizient ist,
  • ein größeres Bauteil absehbar ausfällt,
  • Sie ohnehin eine Sanierung planen (Dämmung, Fenster, Heizflächen),
  • Förderbedingungen gerade günstig sind.

Saison-Tipp: Warum Frühjahr und Sommer oft ideal sind

In der warmen Jahreszeit ist der Heizbetrieb weniger kritisch. Das bedeutet:

  • bessere Terminverfügbarkeit bei Fachbetrieben,
  • weniger Stress bei Umbau und Inbetriebnahme,
  • größere Chance, dass Lieferzeiten nicht zum Problem werden.

Welche Heizsysteme sind heute typische Alternativen?

Die „beste“ Lösung hängt von Gebäude, Standort, Budget und Zielen ab. Für Deutschland und Österreich sind folgende Optionen besonders relevant.

Wärmepumpe (Luft/Wasser, Sole/Wasser, Wasser/Wasser)

Wärmepumpen sind besonders effizient bei niedrigen Vorlauftemperaturen und gutem hydraulischem Abgleich. Sie passen sehr gut zu Fußbodenheizung, können aber auch mit Heizkörpern funktionieren – wenn diese ausreichend dimensioniert sind und das Gebäude nicht zu hohe Temperaturen braucht.

  • Vorteile: niedrige Betriebskosten bei guten Bedingungen, erneuerbar (bei Ökostrom), weniger Wartung
  • Zu prüfen: Vorlauftemperatur, Schallschutz (Außengerät), Stromtarife, Platz

Pelletheizung / Biomasse

Besonders in Österreich und in ländlichen Regionen Deutschlands ist Biomasse eine etablierte Lösung. Pellets bieten planbare Versorgung, brauchen aber Lagerraum und verursachen mehr Logistik (Lieferung, Ascheentsorgung).

  • Vorteile: erneuerbarer Brennstoff, gut für höhere Vorlauftemperaturen
  • Zu prüfen: Lagerraum, Staub/Logistik, Förderbedingungen, Emissionsanforderungen

Fernwärme / Nahwärme

Wenn verfügbar, kann ein Anschluss an ein Wärmenetz sehr attraktiv sein – besonders in dicht bebauten Gebieten. Entscheidend sind Preisstruktur, Vertragsbedingungen und die tatsächliche Primärenergie-/CO₂-Bilanz des Netzes.

Hybridlösungen (z. B. Wärmepumpe + Gas-Brennwert)

Hybrid kann eine Übergangslösung sein, wenn das Gebäude noch nicht vollständig für niedrige Temperaturen optimiert ist. Die Wärmepumpe deckt dann viele Betriebsstunden ab, der Kessel springt bei Spitzenlast ein. Wichtig ist eine intelligente Regelung, sonst verpuffen Vorteile.

Checkliste: Heizungsalter richtig bewerten in 15 Minuten

Diese kurze Selbstprüfung hilft, die Lage einzuordnen – ersetzt aber nicht die Fachplanung.

  • Baujahr/Inbetriebnahme: ____
  • Heizungsart: Gas / Öl / Pellet / Wärmepumpe / Fernwärme / Sonstiges
  • Technikstandard: Standardkessel / Niedertemperatur / Brennwert
  • Letzte größere Reparatur: ____ (Kosten: ____)
  • Verbrauchstrend (3 Jahre): sinkend / gleich / steigend
  • Regelung: witterungsgeführt ja/nein; smarte Steuerung ja/nein
  • Vorlauftemperatur im Winter: eher niedrig / mittel / hoch
  • Komfortprobleme: keine / gelegentlich / häufig
  • Sanierungspläne am Gebäude: ja/nein (welche?)

Interpretation: Wenn Ihre Heizung älter ist, der Verbrauch steigt und Reparaturen zunehmen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein geplanter Austausch wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll ist.

Fachliche Bewertung: Welche Kennzahlen der Profi typischerweise prüft

Eine belastbare Entscheidung entsteht meist durch eine Kombination aus Daten, Messungen und Erfahrung. Fachbetriebe und Energieberater betrachten häufig:

  • Heizlast des Gebäudes (nach Normverfahren bzw. plausibilisiert)
  • Jahresnutzungsgrad bzw. Anlagenwirkungsgrad
  • Hydraulischer Abgleich (Status, Notwendigkeit)
  • Heizkurve und Regelparameter
  • Warmwasserprofil (Verbrauch, Zirkulation, Speicherverluste)
  • Abgaswerte und Taktverhalten
  • Systemtemperaturen (Vorlauf/Rücklauf)

Gerade bei Wärmepumpen ist eine saubere Auslegung zentral. Ein zu großes Gerät taktet, ein zu kleines schafft Spitzenlast nicht – beides kann teuer werden.

Typische Fehler beim Heizungstausch – und wie Sie sie vermeiden

Fehler 1: Austausch 1:1 ohne Systemoptimierung

Ein neuer Wärmeerzeuger allein bringt weniger, wenn Hydraulik, Heizflächen und Regelung nicht passen. Planen Sie mindestens:

  • hydraulischen Abgleich,
  • Überprüfung/Erneuerung von Thermostatventilen,
  • optimierte Heizkurve,
  • ggf. Austausch alter Umwälzpumpen.

Fehler 2: Dimensionierung nach Bauchgefühl („lieber zu groß“)

Überdimensionierung war früher verbreitet, ist heute aber oft ein Effizienzkiller. Moderne Systeme arbeiten am besten, wenn sie passend zur Heizlast ausgelegt sind.

Fehler 3: Förderfähigkeit erst nach Vertragsabschluss prüfen

In vielen Fällen müssen Förderanträge vor Auftragserteilung gestellt werden oder es gelten bestimmte technische Mindestanforderungen. Planen Sie die Reihenfolge sauber.

Fehler 4: Gebäudehülle ignorieren

Manchmal ist die beste „Heizungsmodernisierung“ zuerst eine Maßnahme an der Gebäudehülle. Schon einzelne Schritte (Dachboden dämmen, Rohrleitungen dämmen, Fensterfugen) senken die notwendige Heizleistung und erleichtern den Umstieg auf effiziente Systeme.

Praxisleitfaden: So gehen Eigentümer in Deutschland und Österreich sinnvoll vor

Mit diesem Ablauf reduzieren Sie Risiko und erhöhen die Chance, dass Technik, Kosten und Förderung zusammenpassen.

Schritt 1: Ist-Zustand erfassen

  • Alter, Typ, Zustand der Anlage dokumentieren
  • Verbrauchsdaten der letzten 2–3 Jahre sammeln
  • Probleme notieren (Geräusche, Warmwasser, Ausfälle)

Schritt 2: Ziele festlegen

  • Priorität Kosten, CO₂, Komfort oder Unabhängigkeit?
  • Planen Sie Gebäudesanierung in den nächsten 5 Jahren?
  • Wie lange wollen Sie im Gebäude wohnen/vermieten?

Schritt 3: Optionen vergleichen (nicht nur Gerätepreise)

Vergleichen Sie Angebote anhand gleicher Kriterien:

  • Investitionssumme inkl. Nebenarbeiten (Hydraulik, Speicher, Elektrik, Schallschutz)
  • geschätzte Betriebskosten
  • Wartungs- und Servicekonzept
  • Garantien, Lieferzeiten

Schritt 4: Förderung und Genehmigungen klären

In Deutschland und Österreich können je nach System und Region Förderungen möglich sein. Prüfen Sie frühzeitig:

  • Welche Nachweise benötigt werden (z. B. Energieberatung)?
  • Welche technischen Mindeststandards gelten?
  • Welche Fristen einzuhalten sind?

Schritt 5: Umsetzung in ruhiger Saison planen

Wenn möglich, vermeiden Sie den Austausch in der kältesten Zeit. Das reduziert Stress und vermeidet teure Expressentscheidungen.

FAQ: Häufige Fragen rund um Heizungsalter und Austausch

Ab welchem Alter sollte man eine Heizung austauschen?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Häufig wird ab 15–20 Jahren genauer hingeschaut, besonders wenn es kein Brennwertgerät ist oder Reparaturen zunehmen. Entscheidend ist die Kombination aus Zustand, Effizienz und Zukunftsfähigkeit.

Kann eine Wartung den Austausch ersetzen?

Wartung ist wichtig und kann Effizienz stabilisieren – aber sie macht aus einem technisch überholten System kein modernes. Wenn Grundtechnik und Regelung veraltet sind, stößt Wartung an Grenzen.

Lohnt sich ein Tausch auch ohne große Sanierung?

Oft ja – insbesondere bei sehr alten Kesseln. Allerdings kann es sinnvoll sein, den Tausch mit Maßnahmen wie hydraulischem Abgleich oder einzelnen Heizkörper-Optimierungen zu kombinieren.

Was ist, wenn meine Heizung im Winter ausfällt?

Dann entscheidet meist Zeitdruck – und der ist teuer. Genau deshalb ist es so wertvoll, das Heizungsalter richtig zu bewerten und den Austausch vorausschauend zu planen.

Fazit: Heizungsalter richtig bewerten und den Austausch smart planen

Das Alter der Heizung ist ein wichtiger Hinweis – aber erst im Zusammenspiel mit Effizienz, Reparaturrisiko, Regelungstechnik, Verbrauchsentwicklung und den Rahmenbedingungen in Deutschland bzw. Österreich ergibt sich ein klares Bild. Wenn Ihre Anlage älter wird, der Verbrauch steigt oder Ersatzteile knapp werden, ist ein geplanter Austausch häufig die wirtschaftlichere und stressfreiere Entscheidung.

Wer frühzeitig plant, kann Förderungen besser nutzen, das System passend zum Gebäude auslegen und den Wechsel in einer günstigen Saison umsetzen. So sichern Sie Komfort, senken Energiekosten und machen Ihr Zuhause fit für die kommenden Jahre.