Neubau oder Bestandsimmobilie: Welche Wohnentscheidung passt wirklich zu Ihnen?

Die Entscheidung zwischen Neubau und Bestandsimmobilie fühlt sich oft an wie ein Abwägen zwischen zwei Lebensstilen: maximale Energieeffizienz und Planbarkeit auf der einen Seite, gewachsene Lage, Charakter und meist schnellere Verfügbarkeit auf der anderen. Doch was passt wirklich zu Ihnen – finanziell, praktisch und emotional? In diesem Artikel erhalten Sie eine fundierte Orientierungshilfe für Deutschland und Österreich: mit Kostenfaktoren, Checklisten, Fördermöglichkeiten, typischen Fallstricken und konkreten Fragen, die Sie zu Ihrer passenden Wohnentscheidung führen.

Neubau oder Bestandsimmobilie: Warum diese Wahl mehr als nur „neu vs. alt“ ist

Wer heute über Wohneigentum nachdenkt, stößt schnell auf die Kernfrage: Neubau oder Bestandsimmobilie? Die Diskussion dreht sich selten nur um das Baujahr. Vielmehr geht es um Planungssicherheit, Standortqualität, Energie- und Sanierungsrisiken, Finanzierung, Lebensphase und auch um persönliche Werte wie Nachhaltigkeit oder Gestaltungsfreiheit.

In Deutschland und Österreich spielen zudem regionale Faktoren eine große Rolle: In Metropolregionen (z. B. München, Hamburg, Berlin, Wien, Graz, Salzburg) sind zentrale Bestandslagen oft knapp und teuer, während Neubauprojekte häufiger am Stadtrand entstehen. In kleineren Städten und ländlichen Regionen kann ein Neubaugrundstück attraktiver sein – vorausgesetzt, Infrastruktur und Zukunftsfähigkeit des Standorts stimmen.

Dieser Leitfaden hilft Ihnen, die Entscheidung strukturiert zu treffen – mit Blick auf Gesamtkosten, Nutzungsqualität, Risiko und Wiederverkauf.

Für wen eignet sich ein Neubau besonders?

Ein Neubau steht für moderne Standards, effiziente Technik und häufig geringere Instandhaltung in den ersten Jahren. Gleichzeitig ist er oft mit längeren Wartezeiten, Bauherrenrisiken und weniger etablierten Lagen verbunden.

Typische Gründe, die für einen Neubau sprechen

  • Hohe Energieeffizienz: Moderne Dämmung, Wärmepumpe, kontrollierte Wohnraumlüftung – das reduziert laufende Kosten und verbessert den Wohnkomfort.
  • Planbare Instandhaltung: In den ersten Jahren sind größere Reparaturen in der Regel selten.
  • Barrierearme Grundrisse: Breitere Türen, Aufzüge (im Mehrfamilienhaus), bodengleiche Duschen – relevant für Familien und späteres altersgerechtes Wohnen.
  • Individuelle Gestaltung: Bei Hausbau oder Kauf „vom Plan“ können Sie Grundriss, Ausstattung und Materialien häufig mitbestimmen.
  • Förder- und Finanzierungsvorteile: Je nach Programm profitieren energieeffiziente Neubauten von Förderungen oder besseren Konditionen.

Für welche Lebenssituationen passt Neubau häufig?

  • Familien mit langfristigem Horizont, die sich ein Zuhause für 10–20 Jahre aufbauen möchten.
  • Menschen mit hohem Komfortanspruch und Wunsch nach moderner Technik (Smart Home, PV-Anlage, E-Mobilität).
  • Käuferinnen und Käufer, die weniger Zeit oder Lust auf Sanierungskoordination haben.
  • Risikobewusste Planer, die lieber klare Standards und neue Leitungen/Installationen wollen.

Für wen ist eine Bestandsimmobilie die bessere Wahl?

Eine Bestandsimmobilie kann Charme, zentrale Lage und eine eingewachsene Nachbarschaft bieten. Gleichzeitig müssen Käufer häufig mit Sanierungsthemen rechnen: energetische Modernisierung, Heizungstausch, Elektrik, Fenster, Dach oder Feuchtigkeitsschutz.

Typische Vorteile von Bestandsobjekten

  • Lage, Lage, Lage: In vielen Städten sind die besten, gewachsenen Lagen vor allem im Bestand verfügbar.
  • Charakter und Substanz: Altbau-Details, hohe Decken, robuste Bauweise – das kann emotional und funktional überzeugen.
  • Schnellere Verfügbarkeit: Ein Bestandshaus oder eine Bestandswohnung kann nach Kauf (je nach Zustand) zeitnah bezogen werden.
  • Preisverhandlungspotenzial: Sanierungsbedarf kann Spielraum schaffen – sofern Sie Kosten realistisch kalkulieren.
  • Nachhaltigkeit durch Weiterbauen: Die Nutzung bestehender Bausubstanz kann ökologisch sinnvoll sein, wenn sinnvoll modernisiert wird.

Welche Käuferprofile profitieren besonders vom Bestand?

  • Stadtmenschen, die kurze Wege, Infrastruktur und ÖPNV priorisieren.
  • Handwerklich versierte Eigentümer oder Käufer mit gutem Netzwerk an Gewerken.
  • Investoren, die Wertsteigerung durch Modernisierung realistisch einschätzen können.
  • Menschen mit Sinn für Architektur, die individuelle Details und „Seele“ suchen.

Kostenvergleich: Was ist wirklich günstiger?

Die Preisfrage ist komplex. Ein Neubau ist in der Anschaffung häufig teurer, kann aber über geringere Betriebskosten und weniger Reparaturen punkten. Ein Bestandsobjekt wirkt oft günstiger, kann jedoch durch Sanierungs- und Folgekosten teurer werden als gedacht. Entscheidend ist daher der Blick auf die Gesamtkosten über 10–20 Jahre.

Einmalige Kosten: Erwerb, Bau und Nebenkosten

Unabhängig davon, ob Sie neu bauen oder eine Bestandsimmobilie kaufen, fallen Nebenkosten an. In Deutschland sind das typischerweise Notar- und Grundbuchkosten sowie ggf. Maklercourtage und Grunderwerbsteuer. In Österreich kommen je nach Konstellation u. a. Grunderwerbsteuer, Eintragungsgebühren und Vertragserrichtungskosten hinzu. Diese Kosten sollten Sie von Anfang an einkalkulieren.

  • Neubau: Grundstück, Erschließung, Baukosten, Außenanlagen, Baunebenkosten (Architekt, Statik, Bodengutachten), ggf. Bauträger- oder Projektentwicklungskosten.
  • Bestand: Kaufpreis, Modernisierungsbudget, Rücklagen (bei Eigentumswohnung), mögliche Sonderumlagen, Renovierung vor Einzug.

Laufende Kosten: Energie, Wartung und Instandhaltung

Neubauten sind meist energetisch deutlich besser aufgestellt. Das kann gerade bei schwankenden Energiepreisen ein wichtiger Sicherheitsfaktor sein. Bestandsimmobilien können nach Sanierung ähnlich effizient sein, doch der Weg dorthin kostet Geld und Zeit.

  • Neubau: häufig niedrigere Heizkosten, planbare Wartung, aber ggf. höhere Grundsteuer/Bemessungsgrundlagen je nach Region und Objekt.
  • Bestand: höherer Wartungs- und Instandhaltungsbedarf, dafür oft geringere „Überraschungen“ bei Lage und Umfeld (was die Lebensqualität stabiler macht).

Die entscheidende Kennzahl: Total Cost of Ownership (TCO)

Stellen Sie die Frage nicht nur als „Was kostet der Kauf?“, sondern als: Was kostet mich das Wohnen pro Jahr über die geplante Haltedauer? Dazu gehören:

  • Kauf-/Baukosten + Nebenkosten
  • Zinsen und Tilgung
  • Energie und Betriebskosten
  • Instandhaltung (geplant und ungeplant)
  • Modernisierung (z. B. Heizung, Dach, Fassade, Fenster)
  • Rücklagen (insbesondere bei Eigentumswohnungen)

Energieeffizienz, Heizung und Sanierung: Der große Unterschied

Bei der Abwägung „neu oder Bestand“ ist Energieeffizienz häufig das Zünglein an der Waage. In Deutschland wie in Österreich steigen Anforderungen und Erwartungen: niedrigere Emissionen, geringere Heizkosten, bessere Dämmung, moderne Heizsysteme.

Neubau: Moderne Standards als Ausgangspunkt

Ein Neubau bietet meist:

  • zeitgemäße Dämmung und luftdichte Gebäudehülle
  • effiziente Heizsysteme (oft Wärmepumpe) und gute Regelbarkeit
  • PV-Optionen und Vorbereitung für E-Ladestation
  • geringes Risiko für versteckte Mängel an Leitungen, Elektrik oder Feuchteschutz

Bestandsimmobilie: Sanierungsrealität und Chancen

Der Bestand kann energetisch sehr unterschiedlich sein. Wichtig ist, die Immobilie nicht nach „Baujahrgefühl“, sondern nach konkreten Bauteilen zu beurteilen:

  • Welche Heizung ist verbaut? Wie alt ist sie?
  • Wie sind Dach, Fassade, Kellerdecke gedämmt?
  • Welche Fenster (2-fach/3-fach) sind vorhanden?
  • Wie ist der Zustand von Elektrik und Leitungen?
  • Gibt es Feuchteprobleme, Schimmel, Wärmebrücken?

Wichtig: Kalkulieren Sie Sanierungen konservativ. Bei älteren Objekten treten oft Zusatzarbeiten auf (z. B. Untergrund, Statik, Schadstoffe, Überraschungen hinter Wänden).

Sanierungsstrategie: Schrittweise vs. Komplettmodernisierung

Viele Käufer in Deutschland und Österreich wählen bei Bestandsimmobilien eine von zwei Strategien:

  • Schrittweise Modernisierung: Erst das Nötigste (z. B. Heizungssicherheit), dann Fenster/Dämmung, später Bad/Küche. Vorteil: verteilte Kosten. Nachteil: längere Baustellenphase.
  • Komplettsanierung vor Einzug: Einmal „richtig“, danach Ruhe. Vorteil: bessere Planbarkeit und Effizienz. Nachteil: hohe Einmalinvestition, längere Zeit bis zum Einzug.

Standort und Infrastruktur: Neubaugebiete vs. gewachsene Quartiere

Im Alltag entscheidet oft weniger die Immobilie selbst als ihr Umfeld: Arbeitsweg, Schulen, Einkauf, Freizeit, medizinische Versorgung und ÖPNV.

Neubau: Mehr Ruhe, aber nicht immer kurze Wege

  • Neubaugebiete bieten häufig moderne Verkehrsplanung, Spielplätze und Familienumfeld.
  • In der Anfangszeit fehlen manchmal Nahversorgung, Gastronomie oder gewachsene Nachbarschaftsstrukturen.
  • Für Pendler kann die Anbindung top oder schwierig sein – prüfen Sie das realistisch (Stoßzeiten!).

Bestand: Etablierte Infrastruktur als echter Mehrwert

  • Zentrale Lagen bedeuten oft kürzere Wege und höhere Lebensqualität.
  • Altbauquartiere sind häufig beliebt – was den Wiederverkauf erleichtern kann.
  • Gleichzeitig können Parkplatzsituation, Lärm oder Sanierungsstau im Viertel Nachteile sein.

Wohngefühl und Grundriss: Modern offen vs. klassisch strukturiert

Viele Käufer unterschätzen, wie stark der Grundriss das tägliche Wohlbefinden beeinflusst. Neubauten setzen häufig auf offene Wohn-Ess-Küchenbereiche, größere Fensterflächen und effiziente Flächennutzung. Bestandsimmobilien bieten oft separate Räume, dickere Wände und andere Proportionen.

Neubau: Licht, Offenheit und Technik

  • Offene Grundrisse für Kommunikation und Familienleben
  • Moderne Bäder, Hauswirtschaftsraum, Abstellflächen
  • Schallschutz und kontrollierte Lüftung (je nach Bauweise und Standard)

Bestand: Raumgefühl, Details, Individualität

  • Altbau-Charme: Stuck, Dielen, hohe Decken (je nach Objekt)
  • Separierte Räume: ideal für Homeoffice, Ruhe, klare Zonen
  • Umbaupotenzial: Wände versetzen, Dach ausbauen, Anbau – sofern baurechtlich möglich

Risiken und typische Fallstricke: Worauf Sie besonders achten sollten

Ob Neubau oder Bestandsobjekt – jede Option hat eigene Risikofelder. Wer diese kennt, trifft bessere Entscheidungen und verhandelt souveräner.

Neubau: Die häufigsten Risiken

  • Bauzeitverzögerungen durch Lieferketten, Wetter, Fachkräftemangel
  • Kostensteigerungen bei Materialien und Sonderwünschen
  • Qualitätsunterschiede je nach Bauträger oder Bauleitung
  • Unklare Baubeschreibung: Ausstattungsdetails, Marken, Standards
  • Umfeld im Wandel: Nebenan wird noch Jahre gebaut

Tipp: Achten Sie auf eine detaillierte Baubeschreibung, klare Zahlungspläne, Gewährleistung und dokumentierte Abnahmen. Eine baubegleitende Qualitätskontrolle (Sachverständige) kann sich lohnen.

Bestandsimmobilie: Klassische Stolpersteine

  • Verdeckte Mängel (Feuchtigkeit, Leitungen, Dach, Schimmel)
  • Sanierungskosten werden unterschätzt
  • Rechtliche Themen: Wegerechte, Baulasten, Grenzbebauung, Denkmalschutz
  • Eigentümergemeinschaft (bei Wohnung): Rücklagen, Beschlüsse, Sonderumlagen
  • Energie- und Heizungsthemen: Modernisierungspflichten und Zukunftsfähigkeit

Tipp: Lassen Sie den Zustand von einem unabhängigen Gutachter prüfen und fordern Sie Unterlagen an (Protokolle, Nachweise, Rechnungen, Energieausweis/vergleichbare Dokumentation).

Finanzierung: Welche Option ist leichter zu finanzieren?

Die Finanzierung hängt weniger davon ab, ob es sich um einen Neubau oder Bestand handelt, sondern von Beleihungswert, Eigenkapital, Einkommenssicherheit und Gesamtkosten. Dennoch gibt es Unterschiede in der Praxis.

Neubau-Finanzierung: In Etappen denken

Bei Neubauprojekten erfolgen Zahlungen oft nach Baufortschritt. Das kann bedeuten:

  • Bereitstellungszinsen, wenn die Auszahlung nicht sofort erfolgt
  • Doppelbelastung, wenn Sie parallel Miete zahlen
  • Notwendigkeit eines Puffers für Sonderwünsche und Nachträge

Bestands-Finanzierung: Klarer Kaufpreis, aber Sanierungsbudget zählt mit

Beim Bestand ist der Kaufpreis meist fix, doch die Bank betrachtet zunehmend auch den Zustand. Wer ein Objekt mit großem Sanierungsbedarf kauft, sollte:

  • Sanierungskosten realistisch einpreisen und ggf. mitfinanzieren
  • Puffer für Unvorhergesehenes einplanen
  • die Wertsteigerung durch Modernisierung nachvollziehbar darstellen

Förderungen und Anreize in Deutschland und Österreich (Überblick)

Förderlandschaften ändern sich. Prüfen Sie daher immer die aktuell verfügbaren Programme auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Dennoch lässt sich grob sagen: Effizienz und Nachhaltigkeit werden häufig belohnt – sowohl im Neubau als auch in der Sanierung.

Deutschland: Typische Ansatzpunkte

  • Energieeffizientes Bauen bzw. Erreichen bestimmter Effizienz-Niveaus
  • Sanierungsförderung für einzelne Maßnahmen (z. B. Dämmung, Fenster, Heizung) oder Komplettsanierung
  • Regionale Programme von Ländern/Kommunen, teils mit Zuschüssen oder zinsgünstigen Darlehen

Österreich: Typische Ansatzpunkte

  • Wohnbauförderungen (je nach Bundesland unterschiedlich)
  • Sanierungsförderungen für thermische Sanierung und Heizungsumstellung
  • Schwerpunkt auf energieeffizienten Standards und Emissionsreduktion

Hinweis: Lassen Sie sich vor Vertragsunterzeichnung beraten, da Förderfähigkeit oft an Zeitpunkte (Antrag vor Beauftragung) gekoppelt ist.

Zeitfaktor: Wie schnell möchten (oder müssen) Sie einziehen?

Zeit ist ein echter Entscheidungshebel. Wer kurzfristig umziehen muss (Jobwechsel, Familienzuwachs, Trennung), hat oft weniger Spielraum für Neubau.

Neubau: Wartezeit, Bauphase, Abnahmen

Bei Neubau können zwischen Entscheidung und Einzug Monate bis Jahre liegen. Dazu kommen:

  • Planungsphase, Genehmigungen, Ausschreibung
  • Bauzeit und mögliche Verzögerungen
  • Abnahme, Mängelbeseitigung, Dokumentation

Bestand: Schneller, aber Renovierung nicht vergessen

Bestand ist oft schneller verfügbar, doch abhängig vom Zustand können Renovierungen den Einzug verschieben. Wer schnell einziehen will, sollte Objekte bevorzugen, bei denen:

  • Heizung, Elektrik und Sanitär in gutem Zustand sind
  • nur kosmetische Arbeiten nötig sind (Malen, Böden)
  • keine größeren Genehmigungen erforderlich sind

Wiederverkauf und Wertentwicklung: Was ist zukunftssicher?

Niemand kauft gern mit dem Gedanken an den Verkauf – und doch ist die Werthaltigkeit wichtig. In Deutschland und Österreich wird der Markt zunehmend von Energieeffizienz, Lagequalität und Grundrissflexibilität geprägt.

Neubau: Modern, aber Lage ist entscheidend

  • Neubauten sind anfangs attraktiv, können aber in sehr peripheren Lagen langsamer an Wert gewinnen.
  • Die Ausstattung sollte nicht „überindividualisiert“ sein, wenn Wiederverkauf denkbar ist.
  • Energieeffiziente Standards bleiben voraussichtlich ein Pluspunkt.

Bestand: Gute Lagen bleiben gefragt – effizienter Bestand gewinnt

  • Sehr gute Bestandslagen sind häufig stabil.
  • Energetisch modernisierte Bestandsobjekte können besonders attraktiv sein: Lage + Effizienz.
  • Unsanierte Objekte mit schlechter Energiebilanz können schwerer verkäuflich werden bzw. Preisabschläge sehen.

Checklisten: So finden Sie heraus, was zu Ihnen passt

Nutzen Sie die folgenden Listen als Entscheidungshilfe. Je mehr Punkte Sie in einer Spalte mit „Ja“ beantworten, desto eher passt die Richtung.

Checkliste: Neubau passt besser, wenn …

  • Sie Planbarkeit bei Technik, Leitungen und Energieverbrauch bevorzugen.
  • Sie wenig Zeit für Sanierungskoordination haben.
  • Sie einen modernen, offenen Grundriss möchten.
  • Sie bereit sind, Wartezeit und mögliche Bauverzögerungen zu akzeptieren.
  • Sie Wert auf barrierearmes Wohnen und langfristige Nutzbarkeit legen.

Checkliste: Bestandsimmobilie passt besser, wenn …

  • Sie eine zentrale, etablierte Lage priorisieren.
  • Sie Charme, gewachsene Architektur oder größere Grundstücke im Bestand suchen.
  • Sie Sanierungspotenzial als Chance sehen (Wertsteigerung, Individualität).
  • Sie schneller einziehen möchten (oder müssen).
  • Sie handwerklich erfahren sind oder ein gutes Netzwerk an Gewerken haben.

Entscheidungsmatrix: 6 Schlüsselfragen, die Klarheit bringen

Beantworten Sie diese Fragen ehrlich – sie führen oft schneller zur richtigen Wahl als stundenlange Portalsuche.

  1. Wie wichtig ist Ihnen die Lage im Alltag? (Arbeitsweg, Schulen, Freizeit, ÖPNV)
  2. Wie viel Risiko tolerieren Sie? (Bauverzögerung vs. Sanierungsüberraschungen)
  3. Wie hoch ist Ihr Zeitbudget? (Planung, Bemusterung, Baustellenmanagement)
  4. Wie lange möchten Sie bleiben? (5 Jahre, 10 Jahre, „für immer“)
  5. Welche Kosten können Sie sicher tragen? (mit Puffer für Zinsen, Energie, Reparaturen)
  6. Welche Wohnqualität ist nicht verhandelbar? (Garten, Balkon, Homeoffice, Ruhe, Lift, Stellplatz)

Praxisbeispiele (Deutschland & Österreich): Zwei typische Entscheidungswege

Beispiel 1: Familie im Speckgürtel – Neubau als Komfortentscheidung

Eine Familie mit zwei Kindern sucht im Umland einer Großstadt ein Haus mit Garten. Die Priorität liegt auf Planbarkeit, geringen Heizkosten und einem Grundriss, der Familienlogistik erleichtert. Ein Neubau im neuen Wohngebiet bietet:

  • gute Energiekennwerte und kalkulierbare Betriebskosten
  • Garage/Stellplatz und sichere Wege
  • weniger akute Reparaturrisiken

Gegenargumente wie längere Bauzeit und noch fehlende Infrastruktur werden akzeptiert, weil der Zeithorizont langfristig ist.

Beispiel 2: Paar in der Stadt – Bestand wegen Lage und Lebensstil

Ein Paar arbeitet hybrid und will zentral wohnen, nahe Gastronomie, Kultur und ÖPNV. Die Wahl fällt auf eine Bestandswohnung in guter Lage, trotz Modernisierungsbedarf. Die Strategie:

  • Gutachterprüfung vor Kauf
  • Sanierungsfahrplan mit Fokus auf Energie (Fenster, Heizung/Anbindung, Dämmmaßnahmen)
  • klare Budgetgrenzen und Prioritätenliste

Der Mehrwert ist ein Alltag mit kurzen Wegen und ein Quartier, das den Lebensstil trägt.

So gehen Sie konkret vor: Schritt-für-Schritt zur richtigen Wohnentscheidung

1) Definieren Sie Ihre „Must-haves“ und „Nice-to-haves“

  • Must-haves: Lagekriterien, Mindestzimmerzahl, Homeoffice, Balkon/Garten, Stellplatz, Barrierearmut
  • Nice-to-haves: Kamin, Designküche, Smart Home, Sauna, hochwertiger Boden

2) Rechnen Sie konservativ – mit Puffer

Planen Sie einen finanziellen Puffer ein, insbesondere bei:

  • Neubau: Sonderwünsche, Außenanlagen, Verzögerungen
  • Bestand: versteckte Mängel, Preissteigerungen bei Gewerken, zusätzliche Maßnahmen

3) Prüfen Sie die Immobilie (oder Baubeschreibung) professionell

  • Neubau: Baubeschreibung, Zahlungsplan, Gewährleistung, Schallschutz, Energie- und Technikstandard
  • Bestand: Bausubstanz, Feuchte, Dach, Leitungen, Elektrik, Heizung, Fenster; bei Wohnung: Protokolle und Rücklagen

4) Entscheiden Sie nicht gegen Ihren Alltag

Die Immobilie ist nur so gut wie das Leben, das sie ermöglicht. Ein „perfektes“ Haus nützt wenig, wenn der Pendelweg zu lang ist oder die Betreuungssituation nicht passt. Umgekehrt kann eine kleinere Bestandswohnung in idealer Lage Lebensqualität deutlich steigern.

Fazit: Neubau oder Bestandsimmobilie – was passt wirklich zu Ihnen?

Die Frage Neubau oder Bestandsimmobilie lässt sich nicht pauschal beantworten – aber sehr gut strukturieren. Ein Neubau überzeugt mit moderner Effizienz, Komfort und geringer Instandhaltung zu Beginn, erfordert jedoch Geduld und saubere Vertrags- sowie Qualitätskontrolle. Eine Bestandsimmobilie punktet oft mit Lage, Charakter und schnellerer Verfügbarkeit, verlangt dafür realistische Sanierungsplanung und genaue Prüfung.

Wenn Sie Ihre Prioritäten (Lage, Zeit, Risiko, Budget, Lebensphase) klar benennen und die Gesamtkosten über mehrere Jahre betrachten, wird die passende Entscheidung meist überraschend eindeutig.

Bonus: Kurze Entscheidungsformel

  • Wollen Sie maximale Effizienz und planbare Technik? → eher Neubau.
  • Wollen Sie die beste Lage und gewachsene Infrastruktur? → eher Bestand.
  • Wollen Sie Wertsteigerung durch Modernisierung aktiv gestalten? → Bestand mit Sanierungsplan.
  • Wollen Sie möglichst wenig Baustelle im Alltag? → Neubau oder sanierten Bestand.

Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen im nächsten Schritt eine individuelle Entscheidungsmatrix erstellen (mit Gewichtung nach Ihren Kriterien) oder eine Checkliste für Besichtigungen für Deutschland bzw. Österreich ausarbeiten.